Was ist ökologisches Design?
Kurze Geschichte des „grünen Designs“
Vor der industriellen Revolution wurden Möbel, Gebrauchsgüter und andere Produkte meist von lokal ansässigen Handwerkern hergestellt, die dafür die in ihrer näheren Umgebung verfügbaren Ressourcen nutzten. Während der Industrialisierung bildeten sich dann urbane Zentren aus, in die die Landbevölkerung abwanderte, um in den neu entstehenden Fabriken zu arbeiten. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden Massenprodukte hergestellt, die für alle erschwinglich waren und deren Verkauf nicht mehr an den Ort der Entstehung gebunden war.
Bald schon stellten die Gründer der britischen Arts and Crafts (Kunst- und Handwerksbewegung) fest, dass die neu entstehende Industrie Umweltschäden verursachte, so dass sie nach neuen Methoden suchten, eine Steigerung der Produktivität mit weniger umweltschädlichen Verfahren zu erreichen. Diese Bewegung erreichte allerdings nur einen kleinen Kreis der Bevölkerung, dennoch bildete sie den Grundstein für eine neue Bewegung in Deutschland, aus der das Bauhaus und der Deutsche Werkbund hervorgingen. Nach dem Verständnis des Bauhauses sollte die Form eines Gegenstandes dessen Funktion folgen (form follows function); standardisierte einfache Formen sollten die Massenproduktion von qualitativ hochwertigen, langlebigen und billigen Produkten ermöglichen und ihren Beitrag zur sozialen Reform leisten. Hier findet sich bereits der Gedanke der Nachhaltigkeit wieder, der zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht formuliert war. Untrennbar mit der Bewegung des Funktionalismus und Modernismus verbunden war die Bestrebung, Material und Energie wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen.
Die frühen Vertreter des ökologischen Designs verfolgten einen
Ansatz, der sich an der Natur selbst mit ihren modularen Modellen orientierte.
Der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright verband erstmals die Funktionalität
von Gebäuden, Innenräumen und Möbeln zu einem harmonischen
Konzept. Marcel Breuer, einer der bedeutendsten Vertreter des Bauhauses,
gestaltete zerlegbare Stühle und standardisierte Verpackungen, die
einen Transport mit geringem Energieaufwand zuließen.
1942 organisierte das Museum of Modern Art eine Ausstellung und einen Wettbewerb mit dem Titel „Organic Design for Home Furnishing“, die zu einem Meilenstein in der Geschichte des „grünen“ Designs werden sollte. Die der Natur nachempfundenen Sperrholzmöbel der Sieger, Charles Eames und Eero Saarinen, zeigten eine ideale Lösung für die ergonomischen und emotionalen Bedürfnisse der Verbraucher.
Von 1945 bis Mitte der 50er Jahre herrschte in den meisten Teilen Europas Knappheit an Energie und Materialien. Dieser Mangel förderte ein rationales Design, das dem Grundsatz „less is more“ des amerikanischen Architekten Louis Sullivan huldigte.
Mit der Hippiebewegung der 60er Jahre wurde das Konsumdenken in Frage gestellt. „Zurück zur Natur“ hieß die neue Devise. In den Buchläden standen Anleitungen zum Do-it-yourself-Design neben Werken wie dem „Whole Earth Catalog“, einer Sammlung von Ratschlägen und Bezugsquellen für Selbstversorger, die immer noch jährlich erscheint. Freilich wurden diese neuen Gedanken immer nur von einem Teil der Bevölkerung angenommen, so dass sich ökologisches Design nie Bahn brechend durchsetzte.
Anfang der 80er Jahre wurde dann die Gesetzgebung im Bereich Umweltschutz verbessert, Umweltthemen nahmen in der öffentlichen Diskussion einen größeren Raum ein und der privatwirtschaftliche Wettbewerb verschärfte sich. Diese drei Faktoren führten dazu, dass umweltorientierte Verbraucher zu einer Kraft wurden, die man nicht mehr ignorieren konnte. Designer und Hersteller entwickelten umweltfreundliche Produkte und kommunizierten vermehrt das Problem der Umweltzerstörung mit unterschiedlichem Erfolg und nicht immer mit echter Begeisterung. Es wurden jedoch auch von Seiten der Regierung strengere Gesetze zum Umweltschutz verabschiedet und verschärfte Kontrollen sowie Öko- und Energielabels und umweltorientierte Managementnormen eingeführt.
Einigen Designern gelang es, das mattschwarze High-Tech der 80er zu durchbrechen und umweltfreundliche Materialien sowie recycelte oder gebrauchte Komponenten in das Design der Postmoderne zu integrieren. Tom Dixon schuf aus geschweißten Stahlrohren und Naturbinsen organisch geformte Stühle, die heute noch von Capelli SpA in Italien produziert werden.
Ein weiterer Ansatz ist zum Beispiel die innovative, erfolgreiche Generation der Macintosh Rechner. Sie verkörpert eine neue emotionale Produktgestaltung.
Die Veröffentlichung des Brundtland-Berichtes „Unsere gemeinsame Zukunft“ durch die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1987, in dem erstmals der Begriff der Nachhaltigkeit auftauchte, und der auf die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Regierungen, der Industrie und akademischen Einrichtungen verwies, verlieh dem ökologischen Design neue Impulse. Diese Entwicklung ist somit eine Chance, im gestalterischen Bereich neue Denk- und Arbeitsweisen zu etablieren und zu kommunizieren.
Im Laufe der folgenden Jahre haben akademische Einrichtungen auf der ganzen Welt eine neue Terminologie für verschiedene Richtungen des ökologischen Designs entwickelt. Umweltgerechte Produktgestaltung, Öko-Effizienz, Ökodesign und sozial verantwortliches Design heißen die Stichworte der heutigen Zeit für ein Design mit Zukunft.