Design für eine Umwelt mit Zukunft
Was bedeuten diese großen Worte konkret? Nähern wir uns den
Begriffen Ökologie und Design einmal ganz pragmatisch:
Ökologie im klassischen Sinne bedeutet „Die Lehre von den Beziehungen
der Lebewesen zu ihrer Umwelt“ (Ernst Haeckel, 1866), im erweiterten
Sinne kann dies begriffen werden als die Lehre davon, „wie alles mit
allem zusammenhängt“.
Die Ökologie, zunächst also eine reine Naturwissenschaft, steht
heute aufgrund der mittlerweile bekannten Umweltproblematik im Brennpunkt
verschiedenster Interessen. Sie leistet damit Hilfestellung für politische
und wirtschaftliche Entscheidungen in unserer Gesellschaft und bewegt sich
daher aus dem rein naturwissenschaftlichen und wertneutralen Bereich heraus.
Wie alles mit allem zusammenhängt... das heißt alles in dieser
Welt, jedes Handeln, jede Kommunikation, jeder Eingriff in die Welt hat eine
Auswirkung auf das gesamte System. Nichts existiert getrennt voneinander. Ökologisches
Design bedeutet demnach zum einen ein Bewusstwerden über die Auswirkungen
der eigenen Kommunikation und Gestaltungsleistung auf dieser Welt, zum anderen
fordert diese Sichtweise auf, aktiv daran teilzunehmen, die Umwelt, unseren
Wohnraum, so zu gestalten, dass er im Sinne der Nachhaltigkeit auch für
zukünftige Generationen einen intakte Umwelt bietet. Die Aufgabe der
Kommunikationsdesigner besteht darin aufzuklären, Wege zu zeigen für
einen anderen Umgang mit Umwelt und gesellschaftlichen Problemen. Konzepte
von Werbekampagnen ähnlich die der Firma DOVE zeigen neue Wege der Kommunikation.
Diskutiert werden muss, welche psychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen
ein Entwurf hat. Diese sieht man beispielsweise an dem Slogan „Geiz
ist geil“, der bedrohliche Folgen auf die Marktwirtschaft in Deutschland
hat. Die Provokationsgestaltung der 90er sollte abgelöst werden durch
eine „humanere“ Kommunikation, in der auch die Werbebranche eine
gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.
Die große Herausforderung an DesignerInnen des 21. Jahrhunderts stellt
die Entwicklung von Produkten, die keine oder nur minimale Auswirkungen auf
die Umwelt haben. Anspruch und Chance zugleich ist es, nachhaltige Produktionsverfahren
und Konsummuster in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion zu rücken,
nicht nur im Sinne der Ökologie sondern auch im Bezug auf ökonomische
Anforderungen. Dazu können Produkt- und Kommunikationsdesigner einen
wichtigen Beitrag leisten.
Die Einbettung des Produkts in sein Umfeld ist im Bereich des ökologischen
Designs besonders bedeutsam für die gestalterische Lösung. Gefragt
ist eine Systemlösung, die durch konzeptionellen Charakter geprägt
ist. Dieser Ansatz beinhaltet immer die Möglichkeit zur Weiterentwicklung.
Das als Ergebnis formulierte Produkt soll selbst ein Lösungsweg sein,
nicht ein bloß sich selbst exponierendes Produkt. Gepaart mit gestalterischem
Können werden sich so neue und innovative Produkte ergeben, die in ihrer
Material- und Formensprache neue Maßstäbe setzen können.
Noch in den 70er Jahren meinte man, es genüge, Einzelprodukte im Hinblick
auf Herstellung und Gebrauch „gut“ zu gestalten. Diese Auffassung
wurde von der Idee geleitet, dass durch die Addition gut gestalteter Produkte
eine humane Umwelt entsteht. Dass dies jedoch ein Trugschluss sein kann, ist
täglich beim Stau „gut gestalteter Autos“ oder beim Anwachsen
der Müllberge zu beobachten. Die an der ökologischen Problematik
geschulte Designauffassung löst sich von der Objekt-Orientiertheit und
sieht das Gebrauchsgut im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang. Design ist
dann Gestaltung von Nutzungszusammenhängen und im Bereich Kommunikationsdesign
auch Gestaltung von Handlungszusammenhängen und Lebensprozessen; der
Designer wird damit zum Vermittler oben genannter Definition der Ökologie:
Er zeigt auf, wie alles mit allem zusammenhängt.
Ein Designer, der umweltorientiert gestalten möchte, braucht einen geistigen
Hintergrund, vor dem seine Berufspraxis Profil gewinnt. Dieser Hintergrund
wird an der ecosign/Akademie für Gestaltung vermittelt. Anregungen dafür
erhält er nicht nur aus der Ökologie, sondern auch aus der Philosophie,
der Ethik, der Designtheorie und der Designgeschichte. Die Umweltprobleme
sind heute größer denn je. Dies ist mittlerweile auch bei breiten
Bevölkerungsschichten angekommen und es ist vor allem auch in Industrie
und Wirtschaft spürbar. Firmen melden sich freiwillig, um sich zertifizieren
zu lassen (Öko-Audit), die Lebensmittelbranche setzt vermehrt auf biologische
Lebensmittel, immer mehr mittelständische Firmen realisieren, dass sich
eine effiziente und ökologische Produktionsweise auch ökonomisch
positiv auswirkt, d.h. wir brauchen heute mehr denn je Gestalter, die sich
dieser Thematik annehmen und die zukunftsorientiertes Design, also ökologisches
Design anbieten.
Ökologisches Design konkret bedeutet demnach, im Produktbereich umweltschonende
und ressourcensparende Rohstoffe zu verwenden, langlebige Produkte statt Wegwerfprodukte
zu gestalten, Dematerialisierung zu betreiben, den Recyclinggedanken schon
beim Entwurf miteinzubeziehen und auf Praktikabilität zu prüfen.
Es bedeutet letztendlich Produkte zu gestalten, die wieder zur Antiquität
werden dürfen, deren Wert mit dem Gebrauch steigt. Produkte also, die
zu reparieren sind, die mit Pflege an die nächste Generation weitergegeben
werden können und dort, wo dies nicht möglich ist, die kleinstmögliche
Belastung für das Ökosystem anstreben in der Herstellung,
im Gebrauch und beim Recycling oder der Entsorgung.
Nun mag man sich fragen, was die Kommunikationsdesigner dabei für eine
Rolle und Aufgabe übernehmen sollen. Diese wichtigen gesellschaftsverändernden
Prozesse müssen kommuniziert werden. Ohne geeignete Information und Aufklärung
ist es den Menschen nicht möglich, umzudenken, veränderte Sichtweisen
und Positionen einzunehmen.