Zeichen



 

Vortrag von Prof. Klaus Winterhager, Grafiker

 

Auf Einladung der Akademieleitung sprach der Grafiker Klaus Winterhager vor StudentInnen der ecosign/Akademie für Gestaltung über das Thema Zeichen. Im Mittelpunkt steht für ihn als Gestalter die grafische Qualität von Zeichen. Der Vortrag hatte die drei Schwerpunkte Bildzeichen, Logotypes und „Zeichen der Macht“.

 

Im Hinblick auf Bildzeichen unterschied Winterhager in seinen Ausführungen zwischen Zeichen, die Menschen in der Natur vorfinden und zum Zeichen erklären und Zeichen, die Menschen aus ihrer Vorstellungskraft heraus gestalten. Eindrucksvoll stellte er die Signetqualität einer Zeichnung der Nordwand des Matterhorns im Vergleich zu gestalteten Signets internationaler Eisenbahngesellschaften dar. In beiden Fällen handelt es sich um Bildzeichen, die eindeutige Botschaften ohne Worte kommunizieren. Der Unterschied liegt in der gestalterischen Konzeption.

 

Diese „Bilder ohne Worte“ setzte Winterhager in ein inhaltliches und visuelles Spannungsverhältnis zu „Buchstaben, die sich zu Zeichen fügen“. An beispielhaften Logotypes von Herb Lubalin, Anton Stankowski und eigenen Entwürfen machte Winterhager deutlich, dass die Komposition der Lettern weit über das Typografische hinaus geht und bildhafte Assoziationen hervorruft.

 

Zum Abschluss eröffnete Winterhager neue Perspektiven auf „Zeichen der Macht“. Seine Ausführungen ließen das Christenkreuz, den Davidstern, das Rote Kreuz und viele mehr in einem neuen Blickwinkel erscheinen. Besonders interessant waren Informationen zur grafischen Form des Hakenkreuzes, das die Nationalsozialisten als Zeichen nutzten. Es handelt sich hier, so haben Winterhagers Nachforschungen ergeben, um einen „freien“ Entwurf des berühmten Grafikers und Markengestalters Wilhelm Deffke. Ungeklärt ist, warum er das Sonnenrad grafisch überarbeitete. Sicher ist, dass der antifaschistisch denkende Deffke das Redesign des indogermanischen Zeichens nicht im Auftrag der Nazis zeichnete. Diese bemächtigten sich des Entwurfs, ein Honorar wurde nie bezahlt, und Deffke wurde verfolgt.