Janna Trambacz, Klasse 12
Mein Praktikum an der Design Akademie ecosign, Köln
Interessante Einblicke in ökologisches Design und Ausblicke auf eine menschen- und umweltfreundliche Zukunft.
Köln: In der Nähe vom Neumarkt befindet sich die private Designakademie ecosign, in der ich vom 15. – 26.01.07 mein Praktikum absolvierte.
Nicht nur für mich ist die nächste Woche aufregend. Auch für die SchülerInnen und DozentInnen der Akademie sind die nächsten sechs Tage etwas Besonderes. Die Privatschule nimmt zum wiederholten Male an der Design-Veranstaltung ,,PASSAGEN“ teil (parallel zur Möbelmesse Köln). Die ecosign stellt in diesem Rahmen Arbeiten der StudentInnen aus. Ob Produkt- oder Kommunikationsdesign, der ecosign ist es wichtig, an dem Projekt teilzunehmen und so ihr Konzept vermitteln zu können. Ihr ist es wichtig, vor allem nachhaltig und umweltfreundlich zu arbeiten: ,,Design soll Verantwortung zeigen.“ Außerdem hat die Akademie einen hohen sozialpolitischen Anspruch. In der Ausstellung finden sich sowohl kulturübergreifende Plakate als auch Einkaufstaschen mit politischen Aussagen wie z.B.: ,,Jesus loves Darwin.“ Auch ein selbst entwickeltes Spiel mit dem Namen Scope ist darunter, in dem es darum geht, mit erneuerbaren Energien zu wirtschaften. Die Attraktion für die Besucher ist eine Badewanne, umfunktioniert zu einer Sitzgelegenheit – eine Duschwanne dient als Tisch.
Alle BewerberInnen die an der Ecosign anfangen möchten, müssen 18 Jahre alt sein. Erforderlich ist außerdem eine Hoch- bzw. Fachhochschulreife. Nach einem persönlichen Gespräch wird entschieden, ob eine Annahme sinnvoll ist. Auch ein kleiner Test muss absolviert werden. Eine Mappenabgabe muss nicht erfolgen – damit will die ecosign auch denjenigen eine Chance geben, die noch wenige Erfahrungen im Bereich Design gesammelt haben. Bei dem persönlichen Gespräch wird darauf geachtet, ob die Person offen ist im Umgang mit anderen, ob er oder sie engagiert und kreativ ist.
Im Vorbereitungssemester haben die Auszubildenden dann die Chance, sich zu beweisen. Zusammen mit dem ersten Semester bildet dieses Orientierungssemester die Grundausbildung. Das zweite und dritte Semester stellt den ersten Teil des Hauptstudiums dar. Dieser ist inhaltlich in die Themen Produktdesign und Kommunikations- und Industriedesign gegliedert. Fächer wie: Papierherstellung, Typographie, Designgeschichte, Zeichnen, Kolloquium, Produktgestaltung, Philosophiegeschichte, Ökologie, Design und Kunstgeschichte werden in dieser Zeit unterrichtet.
Das vierte, fünfte und sechste Semester stellt den zweiten Teil des Hauptstudiums dar. Die Themenbereiche werden nun etwas spezifischer. Unter Kommunikationsdesign fällt nun Grafik- und Mediendesign also auch Foto- und Filmdesign und Illustration. Unter Produktdesign fällt Objekt- und Verpackungsdesign. Neue Fächer kommen dazu: Marketing, Englischkurse, Betriebswirtschaftslehre, Ökologie und Ökonomie. Außerdem müssen Wahlfächer bestimmt werden, wie z. B. Zeichentrickfilm, Schmuckdesign oder Buchgestaltung. Dies sind nur einige Beispiele des wirklich vielfältigen Angebotes. Den Auszubildenden stehen außer den Unterrichtsräumen ein Fotolabor, ein Computerraum, eine Werkstatt und eine Fachbuchsammlung zur Verfügung. Den Abschluss bildet das 7. Semester in dem die Abschlussarbeit angefertigt wird.
Geht alles gut, erhält man den Abschluss als DesignerIn.
Viele Auszubildende haben sich bereits während des Studiums Kunden gesucht, um sich die Studiengebühren von 2100 € pro Jahr leisten zu können. Aus diesem Grund machen sich über die Hälfte der DesignerInnen nach dem erfolgreichen Studium selbstständig. „Man muss gut sein, dann findet man auch relativ schnell einen Job.“ Momentan sind an der Akademie 200 - 230 Auszubildende eingeschrieben. Zum Sommersemester werden 20, im Wintersemester 40 neue Auszubildende angenommen.
Diese Woche freue ich mich darauf, einige Abschlusspräsentationen von StudentInnen miterleben zu können. Da zurzeit keine Kurse stattfinden, lausche ich Präsentationen zum Thema Biotik (Biologie und Technik), Typographie und ,,grünem“ Strom, sehe mir Plakate an und staune über individuell gestaltete Stühle.
Besonders interessant finde ich eine Präsentation zum Thema politische Objekte, in der eine Pfandangel entworfen wurde, die in einem Projekt mit Obdachlosen aus Köln selbst gebaut werden soll. Toll finde ich auch die Idee, Menschen über einen Automaten in der Stadt Fragen an ihre Mitmenschen stellen zu lassen. Diese sollen dann z. B. in U- Bahnen ausgestrahlt werden und könnten Anregung zu einem Gespräch sein.
Schon mal nach dem Zähneputzen O- Saft getrunken?
Wieder bin ich begeistert von den Ideen und Konzepten der StudentInnen In dieser Woche finden auch die so genannten „Onedays“ statt. Die StudentInnen haben einen Tag Zeit, ein bestimmtes Thema zu bearbeiten. In meinem Fall lautet die Aufgabe, ein Kinderbuchcover zu entwerfen: ,, Warum Schokolade gesund ist“. Auch hierzu wurden sehr schöne Ideen vorgestellt, wie etwa die Geschichte der fetten Schoko-Schnecke, die sich, weil sie so viel Schokolade gegessen hat, nicht mehr bewegen – und infolgedessen auch nicht mehr überfahren werden konnte.
Ich fühle mich in der ecosign sehr wohl. Die Atmosphäre ist freundlich und fast familiär, die Leute offen und hilfsbereit. Die StudentInnen haben gute und interessante Ideen und sind sehr motiviert. Besonders schön finde ich, dass durch die Arbeit, die dort gemacht wird, unsere Welt ein Stück weit verbessert werden kann, besonders im Hinblick auf die Klimaerwärmung und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Ich stimme dem Konzept der ecosign zu: Durch Design kann eine zukunftsfähige Entwicklung unterstützt werden. Ich könnte mir durchaus vorstellen, später als Auszubildende die ecosign zu besuchen. Das Praktikum hat mir einige Inhalte vermittelt zu verschiedenen Themen im Bereich Design. Besonders interessiert mich der Beruf der Kommunikationsdesignerin, von dem ich mir vorstellen könnte, ihn später auszuüben.
Gleichzeitig hat mir mein Praktikum noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich für die Umwelt, in der man schließlich selbst lebt, einzusetzen. Über meine Schule und insbesondere im Fach Kunst, welches ich als Leistungskurs belege, werden sicherlich einige Inhalte z. B. zum Thema Kunstgeschichte vermittelt, die in diesem Studium hilfreich sein können. Als Fazit bleibt mir nur zu sagen: Tolle Akademie! Ökologisches Design ist halt doch mehr als selbst gestrickte Pullover aus Hanf oder Jutetaschen!




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